Wenn Medikamente sich gegenseitig beeinflussen
Viele Menschen nehmen täglich mehrere Medikamente gleichzeitig ein. Je mehr Wirkstoffe zusammentreffen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich gegenseitig beeinflussen. Solche Wechselwirkungen können die Wirksamkeit eines Medikaments abschwächen, verstärken oder völlig unerwartete Nebenwirkungen hervorrufen.
Wie entstehen Wechselwirkungen?
Der menschliche Körper baut Arzneistoffe über bestimmte Enzymsysteme ab, vor allem in der Leber. Wenn zwei Substanzen dasselbe Enzym beanspruchen, kann es zu Konkurrenzsituationen kommen. Ein Wirkstoff wird dann langsamer abgebaut als üblich, wodurch seine Konzentration im Blut ansteigt. In anderen Fällen beschleunigt ein Medikament den Abbau eines anderen, sodass dieses kaum noch wirkt.
Wechselwirkungen entstehen aber nicht nur auf biochemischer Ebene. Auch physikalische und chemische Prozesse spielen eine Rolle. Manche Substanzen binden sich im Magen-Darm-Trakt aneinander und verhindern so die Aufnahme in den Blutkreislauf.
Besonders gefährdete Gruppen
Ältere Menschen sind häufig besonders betroffen, weil sie statistisch gesehen mehr Dauermedikamente einnehmen. Auch Leber- oder Nierenerkrankungen verändern den Medikamentenstoffwechsel erheblich und erhöhen das Risiko für unerwünschte Wechselwirkungen. Gleiches gilt für Schwangere, deren Körper sich in einem veränderten physiologischen Zustand befindet.
Nicht nur verschreibungspflichtige Mittel sind betroffen
Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Annahme, dass frei verkäufliche Mittel automatisch unbedenklich sind. Auch pflanzliche Präparate, Vitaminpräparate und klassische Schmerzmittel aus der Apotheke können mit verschreibungspflichtigen Medikamenten in Wechselwirkung treten.
Johanniskraut ist ein bekanntes Beispiel: Es beschleunigt den Abbau zahlreicher Medikamente, darunter Verhütungsmittel und bestimmte Herzmittel.
Wie kann man sich schützen?
Der wichtigste Schritt ist Transparenz gegenüber Ärzten und Apothekern. Wer alle eingenommenen Mittel offenlegt, ermöglicht eine zuverlässige Prüfung auf mögliche Wechselwirkungen. Dazu gehören:
- Alle verschreibungspflichtigen Medikamente
- Frei verkäufliche Präparate
- Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Mittel
- Regelmäßiger Konsum bestimmter Lebensmittel wie Grapefruit
Grapefruit hemmt bestimmte Leberenzyme und kann dazu führen, dass Wirkstoffe in deutlich höherer Konzentration ins Blut gelangen als beabsichtigt.
Medikationsplan als wichtiges Hilfsmittel
In Deutschland haben gesetzlich Versicherte, die mindestens drei verschreibungspflichtige Medikamente dauerhaft einnehmen, einen gesetzlichen Anspruch auf einen Medikationsplan. Dieses Dokument enthält alle relevanten Informationen zu den eingenommenen Mitteln und kann im Notfall auch für behandelnde Ärzte und Rettungsdienste hilfreich sein. Die Apotheke kann beim Anlegen und Aktualisieren dieses Plans unterstützen.
