Wenn der Schlaf zur Qual wird
Schlechter Schlaf ist in Deutschland eines der häufigsten Gesundheitsprobleme. Studien zeigen, dass ein bedeutender Teil der Bevölkerung regelmäßig unter Ein- oder Durchschlafstörungen leidet. Die Ursachen sind vielfältig: Stress, unregelmäßige Arbeitszeiten, Lärm, gesundheitliche Beschwerden oder psychische Belastungen spielen alle eine Rolle.
Der Griff zu einem Schlafmittel liegt nahe, wenn man nächtelang wach liegt. Doch nicht alle Mittel sind gleich, und nicht jedes ist für jeden geeignet oder notwendig.
Schlafhygiene als erster Schritt
Bevor medikamentöse Hilfe in Betracht gezogen wird, empfehlen Schlafmediziner eine Optimierung der sogenannten Schlafhygiene. Darunter versteht man eine Reihe von Verhaltensweisen und Umgebungsbedingungen, die einen gesunden Schlaf begünstigen:
- Regelmäßige Zubettgeh- und Aufstehzeiten, auch am Wochenende
- Kühles, dunkles und ruhiges Schlafzimmer
- Verzicht auf Bildschirme mindestens eine Stunde vor dem Schlafen
- Kein Alkohol oder Koffein in den Stunden vor dem Schlafengehen
- Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung oder Atemtechniken
Pflanzliche Mittel und ihre Wirkung
Pflanzliche Schlafhilfen erfreuen sich großer Beliebtheit. Baldrian, Hopfen, Melisse und Passionsblume werden traditionell zur Beruhigung und Schlafförderung eingesetzt. Die wissenschaftliche Datenlage ist für diese Substanzen unterschiedlich stark. Bei leichten, stressbedingten Schlafstörungen können sie durchaus hilfreich sein, bei chronischen Schlafstörungen reichen sie in der Regel nicht aus.
Pflanzliche bedeutet nicht automatisch risikolos: Auch diese Mittel können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben und sollten mit dem Apotheker oder Arzt besprochen werden.
Antihistaminika als frei verkäufliche Schlafhilfe
Manche frei verkäuflichen Schlafmittel enthalten Antihistaminika, die als Nebenwirkung Schläfrigkeit verursachen. Diese Mittel sind für die kurzfristige Anwendung gedacht. Bei regelmäßiger Einnahme lässt der schlaffördernde Effekt jedoch nach, weil der Körper sich an den Wirkstoff gewöhnt. Zudem können am nächsten Morgen Benommenheit und Konzentrationsprobleme auftreten.
Verschreibungspflichtige Schlafmittel: Nutzen und Risiken
Stärkere Schlafmittel wie Benzodiazepine oder Benzodiazepinrezeptoragonisten sind verschreibungspflichtig und sollten nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden. Sie wirken zuverlässig, bergen aber ein erhebliches Abhängigkeitspotenzial und sollten ausschließlich kurzfristig eingesetzt werden. Auch ältere Patienten reagieren empfindlicher auf diese Substanzen, da das Sturzrisiko steigt.
Wann ist ein Arztbesuch notwendig?
Wer länger als vier Wochen unter schlechtem Schlaf leidet, sollte einen Arzt aufsuchen. Chronische Schlafstörungen können Zeichen einer behandlungsbedürftigen Grunderkrankung sein, etwa einer Depression, eines Schlafapnoe-Syndroms oder einer Schilddrüsenerkrankung. In solchen Fällen hilft kein Schlafmittel, sondern nur die Behandlung der eigentlichen Ursache.
